Nistkästen im Eigenbau
nach einem Merkblatt des LBV (Landesbund für Vogelschutz)

Wichtige Vorbemerkungen
      Jung und alt unter den Vogelfreunden basteln seit alters mit Begeisterung Nistgeräte für kleine Höhlen- und Halbhöhlenbrüter. Dies ist verständlich, denn es macht besonderen Spaß, wenn ein Eigenbau-Nistkasten im Garten von einem Vogelpaar bezogen wird und Nestbau sowie Jungenaufzucht gut zu beobachten sind. Bau und Betreuung von Nistgeräten bieten gute Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche (Werk- und Biologieunterricht) an die Natur heranzuführen. Derartigen Aufgaben kann hoher erzieherischer Wert zukommen, wenn klar herausgestellt wird, dass zur optimalen Durchführung Sachwissen, Verantwortungsbewusstsein und Ausdauer nötig sind.
      Der Vogelfreund muss sich aber darüber im klaren sein, mit diesen Nistgeräten nur einige wenige Vogelarten fördern zu können, die oft in ihrem Bestand gar nicht bedroht sind. Der moderne Vogelschutz hat jedoch die Aufgabe, eine artenreiche Vogelwelt zu erhalten und damit einen Beitrag zu einer stabilen und auch für den Menschen lebenswerten Umwelt zu leisten. Das Schwergewicht der Arbeit muss sich deshalb auf den Schutz bedrohter Vogelarten und den Schutz erhaltenswerter Lebensräume konzentrieren. Dies sollte man sich stets vor Augen halten. Vogelschutzarbeit darf sich trotz aller Begeisterung für den Bau und die Betreuung von Nistkästen nicht in diesen Tätigkeiten erschöpfen. Das Anbieten künstlicher Nisthilfen ist vor allem deshalb notwendig, weil durch die Wirtschaftsweise im Obstbau und in Wald und Flur häufig morsche und höhlenreiche Bäume fehlen. Man kann im persönlichen Gespräch mit Grundbesitzern sicher manchen wertvollen Höhlenbaum retten. Morsche Bäume, vor allem Laubbäume sind auch wichtig für die Insektenwelt.
      Diese kurzen grundsätzlichen Überlegungen sollen keinen Vogelfreund entmutigen. Sie erscheinen gerade als Einleitung eines Merkblattes über Nistgerätebau unbedingt notwendig, denn trotz aller Begeisterung muss stets klar sein, welchen Sinn und Zweck unser Tun hat, wenn wir der Vogelwelt wirklich helfen wollen.

Wann und Wie werden Nistgeräte aufgehängt?
     Nistgeräte sollen weder von der prallen Mittagssonne getroffen werden noch ganztägig im Schatten hängen. Damit der richtige Beschattungsgrad erreicht wird, werden Nistgeräte während der Herbstmonate in die noch belaubten Bäume gehängt. Dies hat einen weiteren Vorteil, die Höhlen können während der Wintermonate von Meisen zur Übernachtung benutzt werden. Derartige Geräte werden zur Brut bevorzugt. Das Flugloch soll möglichst nicht nach Westen weisen. Halbhöhlen können auch an Gebäuden, vorzugsweise an Ost- und Nordwänden angebracht werden. Westwände eignen sich nur, wenn das Dach weit übersteht und Südwände nur, wenn sie nicht zu stark besonnt sind.
     Wer Nistgeräte auf fremdem Besitz anbringt, sollte vorher möglichst mit dem Eigentümer oder Pächter sprechen, damit keine Unstimmigkeiten aufkommen. Um Schäden bei der späteren Holzverwertung (Sägeblätter, Ketten!) zu vermeiden, kann die Verwendung weicher Aluminium-Nägel (zu beziehen z. B. von der Fa. Schwegler, Haubersbronn) notwendig sein. Sie lassen sich meist nur dann einigermaßen gerade in den Stamm einschlagen, wenn vorher mit einem Spitzbohrer ein Loch vorgeschlagen wurde. Das Nistgerät soll entweder gerade hängen oder etwas nach vorne geneigt sein, so dass keine Niederschläge durch das Flugloch ins Innere gelangen können.

Wie viele Nistgeräte sollen angeboten werden?
      Die optimale Anzahl der Nistgeräte pro ha kann nicht vom "grünen Tisch" aus festgelegt werden. Sie richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten, da sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, z. B. klimatischen Bedingungen, Höhenlage, Mischwald, Fichtenreinbestand usw. Zunächst werden nur wenige Nistgeräte angeboten, etwa 1 - 2 pro ha. Sind sie von Vögeln besetzt, kann das Angebot erhöht werden. Wurden ca. 2/3 der Nistgeräte von Vögeln angenommen, genügt das Angebot. Es ist nicht nötig, die Nistgeräte in gleichmäßigem Abstand voneinander aufzuhängen. Ein gruppenweises Anbringen erleichtert Kontrolle und Reinigung.
      Der Vogelfreund muss wissen, einer der begrenzenden Faktoren für die Ansiedlung von Vögeln ist das Nahrungsangebot. Es hat wenig Sinn in "schönen", d. h. extrem gepflegten und sauberen Gärten unzählige Nistgeräte anzubringen, wenn die Altvögel auch in der Nachbarschaft keine Möglichkeit haben genügend Nahrung zu finden. In einem solchen Fall gehen häufig die Jungvögel nach einigen Tagen kalten Regenwetters ein, sie sind verhungert. Der Vogelfreund muss weiter wissen, dass die verschiedenen Vogelarten unterschiedliche Anforderungen an den Lebensraum stellen und untereinander in Konkurrenz um die Nistgeräte stehen. Die stärkeren Arten vertreiben schwächere. Deshalb stets neben Nistgeräten mit 34 mm Fluglochdurchmesser solche für Kleinmeisen und eventuell Baumläufer anbieten. Die Kohlmeise ist nicht speziell an reine Fichten- Tannen-Wälder angepasst. Ein reichliches Angebot an Nistgeräten mit 34 mm Fluglochdurchmesser verleitet diese Art einen für sie nicht optimalen Lebensraum zu besiedeln. Bei Schlechtwetterperioden während der Aufzuchtszeit sind die Brutverluste dann besonders groß. Deshalb sollte in reinen Fichten-Tannen - Wäldern höchstens ein Viertel der Nistgeräte 34mm große Fluglochdurchmesser aufweisen.

Wie hoch werden Nistgeräte aufgehängt?
      In Gärten und geschlossenen Anlagen, die nicht allgemein zugängig sind, in Augenhöhe. Sie sind dann ohne Hilfsmittel leicht zu kontrollieren und zu reinigen. In öffentlichen Anlagen und Forsten bringt man sie so hoch an, dass sie vom Boden aus ohne kurze Leiter nicht zu erreichen sind. So schützt man sie wirksam vor Beunruhigung durch Neugierige.

Kontrolle und Reinigung der Nistgeräte
    Wer Nistgeräte bastelt, möchte natürlich auch zu gerne wissen ob seine Arbeit Erfolg hatte und welche Vogelarten in seinen Kästen brüten. Es taucht deshalb zwangsläufig die Frage auf, darf kontrolliert werden und wenn ja, wann. Erwachsene können auch während der Brutzeit jede Woche einmal nachsehen. Sie können dann Nestbau, Gelegegröße, Jungenzahl und das Heranwachsen der Jungvögel kontrollieren. Diese kurzen Störungen werden von den Altvögeln nicht verübelt. Sind die Jungen jedoch voll befiedert, hat jede weitere Kontrolle zu unterbleiben. Jungvögel können von einem bestimmten Alter ab, auch wenn sie noch nicht flügge sind, das Nest bei Gefahr verlassen. Sie werden zwar auch außerhalb der Nisthöhle von den Altvögeln gefüttert, die Verluste sind jedoch sehr hoch. Kinder sollten nicht selbständig Nistkastenkontrollen durchführen, vor allem nicht während der Brutzeit. Sie sind häufig sehr ungeduldig und haben kein Gefühl dafür, wie oft ein Nistgerät geöffnet werden darf. In Begleitung eines fachkundigen Erwachsenen können die Nistkastenkontrollen jedoch sehr lehrreich sein. Wer wenig Zeit oder viele Nistgeräte über eine große Fläche verteilt aufgehängt hat, kommt häufig nur zu einer jährlichen Kontrolle. Sie muss dann im Herbst gleichzeitig mit der Reinigung der Kästen stattfinden.
      Unsere höhlenbrütenden Kleinvögel bauen im allgemeinen für jede Brut ein eigenes Nest, entfernen aber das alte nicht. Damit die Nistgeräte nicht allmählich mit Nistmaterial gefüllt und unbrauchbar werden, muss im Herbst das alte Nistmaterial entfernt werden. Gleichzeitig können durch Aussprühen der Höhle mit einem Insektenspray Vogelflöhe und andere Parasiten kurzgehalten werden. Derartig betreute Nistgeräte werden erfahrungsgemäß bevorzugt zum Übernachten aufgesucht. Wer Nistgeräte auch während der Brutzeit kontrolliert, kann das alte Nest schon nach dem Ausfliegen der ersten Brut entfernen.
Sollten bei Kontrollen Siebenschläfer, Haselmäuse, Hummel etc. in den Nistkästen angetroffen werden, so ist das auch kein Beinbruch. Jede Tierart hat Daseinsberechtigung und es besteht keine Veranlassung in einem solchen Fall hilfesuchend die Vogelschutzwarte oder den Landesbund anzuschreiben. Haben Wespen oder Hornissen einen Kasten okkupiert, können - falls dies für erforderlich gehalten wird - diese Insekten in den Morgenstunden (Kältestarre) mit einem Spachtel entfernt werden.

Weiterführende Literatur z. B.:
R. Peterson, G. Mountfort und P. A. D. Hollom: Die Vögel Europas. 10. Auflage, Paul Parey (Bestimmungsbuch) 1973
Hans Löhrl: Nisthöhlen, Kunstnester und ihre Bewohner. DBV-Verlag Stuttgart 1973. Einhard Bezzel: Verstummen die Vögel? Ehrenwirth-Verlag, München 1973.


Einfache Halbhöhle

Ein ganz einfach zu bauender Nistkasten ist die sogenannte Halbhöhle.

Sie bietet vor allem Bachstelzen, Grauschnäpper und Hausrotschwanz eine Nistmöglichkeit. Aber auch andere Arten wie Gartenrotschwanz oder Rotkehlchen nutzen sie gelegentlich. Die Maße sind in Zentimeter angegeben, die Brettstärke sollte 20mm betragen. Wegen der Einfachheit kann auf eine Bauanleitung sicher verzichtet werden.

Beim Bau von Mauern aller Art können die Halbhöhlenbrüter durch Aussparen entsprechender Nischen ebenfalls gefördert werden
 


Einfache DreieckshöhleMaterialbedarf:
Bretter 2cm stark
Hartholzleiste 50cm lang, 50 x 25mm
Klötzchen 50 x 50 x 20 bis 25mm
Drahtstifte´(Nägel) 60mm
1 Schloß-Schraube 60mm
etwas Blech und Dachpappe
1 Wiener Reiber (Vorreiber)
Holzschutzmittel, giftfrei natürlich
 
 

Arbeitsanleitung:
 
 

    Längen und Breiten der Einzelteile auf das Brett aufzeichnen (Winkel benützen, Sägeschnitt berücksichtigen) und zurechtschneiden.Schräge Kanten am Bodenbrett gleich entsprechend schräg schneiden. Seitenwände oben auf halbe Holzstärke passend abschrägen. Seitenteile auf die Rückwand nageln. Seiten oben abrunden und zusammennageln. Zwei Löcher ind Bodenbrett bohren damit Feuchtigkeit entweichen kann. Flogloch und Schlitz unten an der Vorderwand bohren bzw. ausschneiden. Boden erst hinten, dann seitlich einnageln. Abstandsklötzchen an Rückwand nageln, Aufhängeleiste bohren und anschrauben. Als Halterung für die Vorderwand durch die Seitenwände 2 Nägel im Abstand von gut 2cm einschlagen. Abstand vom Giebel ca. 5cm. Wiener Reiber eindrehen. Mit Holzschutzmittel imprägnieren. Nach dem Abtrocknen Blechscheiben an derAufhängeleiste und Dachpappe am Giebel anbringen.

Fluglochdurchmesser:
27 mm für Kleinmeisen wie z.B. Tannenmeise, Blaumeise
34 mm für Kohlmeise, Trauerschnäpper
45 mm für Wendehals, Star, Kleiber
aufrecht oval 32 x 45 mm für Gartenrotschwanz, Wendehals


Vierecksnisthöhle
 

Materialbedarf:
Ähnlich Dreiecksnistgerät, dazu noch Hartholzleistchen 10 cm lang, 2 cm breit, 1 cm stark.

Arbeitsanleitung:
Seitenwände vorne oben für den Vorbau durch Annageln kleinerer Brettchen verbreitern bzw. bei entsprechend breiten Brettern nach Plan ausschneiden. In den Boden Löcher für die Belüftung und Schlitz als Halterung für die Vorderwand bohren. Zunächst Seitenteile auf die Rückwand, dann Boden hinten und seitlich annageln. Vorbau mit dem Flugloch und Dach aufnageln. Aufhängeleiste bohren und anschrauben. Vorderwand so einpassen, dass seitlich einige mm Luft bleiben, um ein leichtes Herausnehmen auch bei Feuchtigkeit zu gewährleisten. Hartholzleistchen innen so annageln, dass es ca. 2 cm aus dem Schlitz im Bodenbrett herausragt und die Vorderwand durch einen Drahtring gesichert werden kann. Querbrettchen auf die Vorderwand nageln. Sonstige Arbeiten und Fluglochdurchmesser siehe Dreiecksnisthöhle.


Baumläuferkasten

Wald- und Gartenbaumläufer, unscheinbare und am besten nach dem Gesang zu unterscheidende Arten, nisten z.B. hinter abstehender Rinde, in von Blitz und Sturm gespaltenen Baumstämmen etc.

     Baumläufer können mit Spezialnistgeräten gefördert werden, deren Einschlupföffnung an der Nistkastenrückwand angebracht ist.
 
 
 
 
 
 
 
 

Arbeitsanleitung:
Einzelteile zurechtschneiden (siehe Dreieckshöhle). Aus der Rückwand oben rechts (von vorne gesehen) den ca. 12cm langen Einschlupfschlitz schräg ausschneiden. Schlitzbreite ca. 22 - 25 mm. Wichtig ist, dass dieser Schlitz nach dem Aufhängen des Kastens gut an der Baumrinde anliegt. Dazu wird auf der gegenüberliegenden Längsseite eine Leiste zwischen Nistgerät und Baumstamm eingepaßt, außerdem der Kasten unterhalb des Einschlupfes (Rückwand steht hier ca. 5 cm vor) mit einem Aluminiumnagel am Stamm befestigt.

Weitere Bauanleitungen zum runterladen auf der "Download-Seite"