Vorwort
Fledermäuse gelten selbst in unserer aufgeklärten Zeit noch
als Sinnbilder blutrünstiger Ungeheuer. Durch ihre nächtliche
Lebensweise und ihren geräuschlosen Flug sind sie dem Menschen seit
jeher unheimlich. In vielen Ländern werden sie auch mit Dämonen
und Zauberei in Zusammenhang gebracht. Unsere heimischen Fledermäuse
haben damit nichts gemein. Im Gegenteil - da sie sich ausschließlich
von Insekten ernähren, stehen sie sogar im Dienst des Menschen, denn
viele der in der Dunkelheit fliegenden Insekten sind in der Land- und Forstwirtschaft
gefährliche Schädlinge. Da die meisten der insektenfangenden
Vögel nur bei Tage jagen, bleiben die Nachtinsekten von ihnen so gut
wie ungeschoren. Durch die nächtliche Jagd füllen die Fledermäuse
diese "Lücke" im Haushalt der Natur. Innerhalb von etwa 30 Jahren
sind die Fledermaus-Bestände erschreckend zurückgegangen - und
dies, obwohl alle 22 Arten unter Naturschutz stehen.
Diese kleine Seite soll nur Anregung
und Hilfe für Menschen sein, die sich auch praktisch dem Umweltschutz
widmen wollen. Den Bauplan habe ich aus einer Broschüre der Landesanstalt
für Umweltschutz Baden-Württemberg entnommen. Das kleine Heftchen
mit vielen Informationen zum Thema Fledermäuse, Nisthilfen, Kontakadressen
usw. bekommt man dort kostenlos. Sicher gibt es auch bei Ihnen in der Nähe
eine Umweltschutzgruppe, eine Umweltbehörde oder ähnliches bei
der man Unterlagen zum gesamten Bereich Natur- und Artenschutz erhält.
Nur Mut! Fragen kostet nichts und für sowas zahle ich gerne Steuern
:-)
Warum sind unsere Fledermäuse gefährdet?
Die Ursache für den drastischen Rückgang der Fledermäuse
ist ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren:
1. Verringerung der Nahrung für die Fledermäuse
Aufgrund der Insektizidanwendungen und anderer Maßnahmen (Entfernen
von Feldgehölzen, Vernichtung von Hecken, Zerstörung von Feuchtgebieten)
ist das Nahrungsangebot der Fledermäuse ungenügend.
2. Giftbelastung der Fledermäuse durch Insektengifte in
der Nahrung
Die einheimischen Fledermäuse ernähren sich ausschließlich
von Insekten. Diese werden jedoch in immer stärkerem Maße mit
Insektiziden bekämpft. Fledermäuse nehmen dieses Gift mit der
Nahrung auf und speichern es in ihrem Körperfett. Das Gift vermindert
nicht nur die Lebenserwartung und die Vermehrungsrate der Fledermäuse,
sondern kann auch direkt zum Tod der Tiere führen.
3. Zerstörung gewohnter Quartiere
Fledermäuse sind sehr wohnortstreu und kehren immer wieder in
dieselben Sommer- und Winterquartiere zurück.
- Sommerquartiere Durch waldbauliche Maßnahmen (Fällen hohler
Bäume) oder Abriss von Gebäuden, Renovierungen von Kirchen usw.
werden immer wieder Fledermaus-Quartiere zerstört.
- Winterquartiere. Aus Sicherheitsgründen werden viele Stollen
und Gewölbe für Fledermäuse unpassierbar mit Mauern oder
Stahltüren verschlossen. Ebenso gehen durch den Höhlentourismus
zahlreiche Winterquartiere für die Fledermäuse verloren.
4. Holzschutzimprägnierungen
Holzschutzmittel mit chlorierten Kohlenwasserstoffen sind als Kontaktgifte
an den Hangplätzen auch für Fledermäuse schädlich.
5. Direkte Tötung durch den Menschen
Noch immer werden Fledermäuse von abergläubischen Menschen
getötet oder als "hässliche, nutzlose, unheimliche Wesen" angesehen.
Das unsere Fledermäuse jedoch äußerst nützliche Insektenvertilger
sind, ist nur ungenügend bekannt.
Flacher Fledermauskasten
Material:
ungehobelte (sägerauhe), nicht imprägnierte Bretter mit einer
Stärke von etwa 20mm.
Dieser Kastentyp kann nicht geöffnet werden. Zur Reinigung sollte
man ihn mit einem Zweig auswedeln. Auf der Innenseite der Rückwand
können Rillen im Abstand von 10-20mm angebracht werden (einsägen
oder einfräsen). Zum Aufhängen des Kastens oben an der Rückwand
Ösen anbringen oder den Kasten auf eine Holzleiste schrauben und diese
an einem Baum annageln. Dabei möglichst Aluminium-Nägel benutzen
damit bei evtl. Holznutzung des Baumes keine Schäden an Maschinen
verursacht werden. Wenn es auf fremden Grund ist sollte man den Eigentümer
um Erlaubnis fragen!
Bauchiger Kastentyp:
Die Vorderfront ist bei diesem Kasten abnehmbar. (auf dichten Verschluß
achten!) Material: ca. 20mm starke ungehobelte und nicht imprägnierte
Bretter.


Nistkästen für Vögel, Fledermäuse und andere Tiere bekommt man auch fertig zu kaufen oder als Bausatz. Bitte bei o.g. Gruppen / Ämtern nachfragen.
Erste Hilfe für Fledermäuse
In strengen Wintern, aber auch bei anhaltend kalter Witterung im Sommer,
findet man immer wieder erschöpfte oder verletzte Fledermäuse.
Als erste Hilfe sollte man diesen Tieren zunächst Wasser in einem
kleinen Gefäß anbieten, so dass sie es auflecken können.
Man sollte solche Tiere in einem Karton aufbewahren und dann z.B. ein Mitglied
der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg oder einen
Vertreter des Naturschutzes benachrichtigen. Alle einheimische Fledermausarten
können mit Insekten gefüttert werden. Am besten eignen sich dazu
die Mehlkäferlarven ("Mehlwürmer"), die man in Tierhandlungen
kaufen kann. Müssen gefundene Fledermäuse aufgepäppelt werden,
so eignen sich Mehlwürmer besonders als Nahrung. Große Fledermäuse
können sie ganz fressen, für die kleineren Arten muss man sie
eventuell ausdrücken. Große Fledermäuse muss man mit einem
Tuch oder mit Lederhandschuhen anfassen, da die Tiere kräftig beißen
können.
Fledermäuse eignen sich nicht als Haustiere. Sie stehen unter
Naturschutz und müssen, sobald sie gesund sind und es die Witterung
erlaubt, wieder freigelassen werden.
Auch tote Fledermäuse liefern noch wertvolle Informationen. Bitte
senden Sie in Baden-Württemberg tot aufgefundene Fledermäuse
in Übereinstimmung mit § 20g BNatSchG zur Artbestimmung bzw.
Rückstandsanalyse an das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe
(Erbprinzenstr. 13, Karlsruhe 1) oder an das Staatliche Museum für
Naturkunde Stuttgart (Rosenstein l, Stuttgart 1). Frischtote Fledermäuse
bitte in Alufolie einwickeln und Fundort, Datum, Finder und Fundumstände
vermerken. In anderen Bundesländern bekommen Sie die Anschriften über
das zuständige Umweltamt