Winterfütterung - aber richtig! 

Die Notwendigkeit der Vogelfütterung im Winter ist sehr umstritten, Gegner und Befürworter haben jedoch eines gemeinsam: Sie möchten einen Beitrag zur Erhaltung unserer einheimischen Vogelwelt leisten. Im städtischen Bereich, insbesondere bei Dauerfrost und hoher Schneelage, ist die Fütterung für einzelne Individuen sicherlich wichtig fürs Überleben. Für die Arterhaltung ist die Winterfütterung allerdings nicht notwendig, denn zu den Futterstellen kommen fast ausschließlich häufige Arten. Auch wenn es sich gefühlslos anhört, man muß wissen, daß die Natur sogar 70%ige Verluste während des Winters in den nächsten Brutsaisonen ausgleichen kann. In naturnäheren Bereichen außerhalb der Städte ist oft ein reichhaltiges natürliches Nahrungsangebot vorhanden, wie Beeren- und samentragende Pflanzen in Hecken und "Wildflächen", das Vögel über den Winter hilft.
Jeder Grundbesitzer kann jedoch einen zusätzlichen Beitrag leisten. Kinder und Jugendliche erwerben hier ihre ersten Artenkenntnisse und sehen den Vogel nicht als Vertreter einer Spezies, sondern als  Individuum.
Der ältere Mensch bewahrt durch die Winterfütterung die in der Jugend erworbenen emotionalen Bindungen an die Vogelwelt. Er versorgt „seine” Vögel und kann ihr Verhalten täglich beobachten und sich daran freuen.
Die Vogelfütterung motiviert vielleicht den einen oder anderen, sein Wissen zu vertiefen, das eigene, ökologische Verhalten zu überprüfen und vielleicht zusätzliche Artenschutzschutzmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Wichtig ist allerdings die richtige Fütterung, um unsere Vögel nicht zu gefährden sollten einige Grundregeln beachtet werden, denn falsche Fütterungsmaßnahmen können töten statt helfen.
    Für die Futtergeräte gilt, dass sie so beschaffen sein müssen, dass die Vögel das Futter nicht mit ihrem Kot verunreinigen können und es nicht nass werden kann.
Futterhaus:  Das Häuschen sollte so konzipiert sein, dass möglichst viele verschiedene Vögel ihr Futter holen können. Im Handel gibt es sogenannte Futterhaussilos, die sich sehr gut eignen. Achtung: Kein rotes Haus nehmen, da die Farbe Rot für Vögel ein Alarmzeichen ist.
Die wichtigste Grundregel: Das Häuschen muß täglich gereinigt werden. Hierfür gibt es im Handel spezielle Desinfektionsmittel, um Keime und Krankheitserreger, die sich durch Kot und Futterreste einschleichen können, abzutöten. Das Haus sollte so gebaut sein, dass Schnee und Regen das Futter nicht durchnässen können. Es ist besser, mehrere kleine Futterstellen einzurichten, damit sich durch die Vielzahl der Besucher und deren Kotabsonderungen keine Infektionsherde (Salmonellen) bilden können. Was die Reinigung angeht, hat man mit Futtersilos weniger Arbeit da die Vögel nicht in das Futter koten können. Eine wöchentliche Reinigung reicht aus.
     Um die Vögel möglichst gut beobachten zu können, sollte das Vogelhaus an einem Ort aufgestellt werden, zu dem man eine gute Sicht hat, die Vögel sich aber trotzdem ungestört fühlen. Die Futterstelle sollte nicht direkt an Gebüschen aufgestellt werden, da sich sonst Katzen unbemerkt anschleichen können, niedrige Häuschen auf eigenen Stützen sollten mit einem Katzenkragen gesichert werden. (Draht oder Blechmanschette)
   Ganz wichtig ist es auch, dass zu Beginn des Frühjahrs die Fütterung eingestellt wird. Die Vögel werden sonst zu bequem und füttern auch ihre Jungen nur einseitig mit Körnerfutter was deren Entwicklung stört.

Futtermittel
    Grundsätzlich unterscheidet man bei unseren Wintergästen zwischen Körner- und Weichfressern. Es gibt hierfür spezielle Futtermischungen, die sowohl Sämereien mit harter Schale als auch Haferflocken und getrocknete Beeren enthalten. Für die Vögel, die ihr Futter an frei aufgehängten Futterballen zu sich nehmen, sollten noch einige Meisenknödel oder -ringe aufgehängt werden. Wasser benötigen die Vögel nicht zusätzlich.

Futter "a la carte"
Amsel  Äpfel, fettgetränkte Haferflocken
Kohlmeise Sonnenblumenkerne, Hanf, Erdnußkerne, Fett (Butter, Margarine, Talg-Schweinefett-Mischung) etc. 
Keine Meisenringe die nur aus Talg und Sämereien bestehen, bei Kälte werden sie zu hart.
Blaumeise ähnlich Kohlmeise, jedoch mit ausgeprägterer Vorliebe für Fettfutter in Glocken, Knödeln etc.) 
Tannenmeise Sonnenblumenkerne, Hanf, sehr gern Fettfutter 
Kleiber Sonnenblumenkerne, Hanf, Erdnußkerne. Versteckt Futter hinter der Borke
Baumläufer, Schwanzmeise An Futterstellen selten. Nimmt gelegentlich Fett und Partikel von 
zerriebenem Butter-Spritzgebäck. 
Grünling Sonnenblumenkerne, Erdnußkerne, kleinere Sämereien. Anfällig gegen Salmonellen; darf nicht im Futter sitzen
Buchfink, Gimpel Hanf und zahlreiche kleinere Sämereien, zerkleinerte Erdnüsse. Fast nur am Boden. 
Bergfink, Kernbeißer Sonnenblumenkerne 
Haus-, Feldsperling nahezu Allesfresser 
Zeisig  Erdnußkerne in hängenden Netzen, Negersaat. Fast nur im Spätwinter. Anfällig gegen Salmonellen! 
Heckenbraunelle  Mohn, zerkleinerte Erdnußkerne. Fast nur am Boden.
Rotkehlchen  zerkleinerte Erdnußkerne, Futter für Insektenfresser, Fettfutter. Fast nur am Boden. 
Star Fettfutter
Türkentaube Sämereien aller Art
Spechte Fettfutter, am besten in Futterhölzern. 

niemals zur Fütterung verwenden:
Essensreste und Brot
(enthalten Salz und Gewürze, verderben schnell)

Speckschwarten 
(Federn können verkleben)

gebrauchtes Frittierfett 

 

Geeignete Futterstellen können auch leicht selbst gebaut werden.  Hier einige Beispiele von denen das "klassische Futterhäuschen die schlechteste Variante ist.

und hier noch einige der häufigeren Gäste
Drossel
Blaumeise
Zaunkönig
Buchfink
Grünling
Kleiber
Kohlmeise
Rotkehlchen
Tannenmeise
Braunkehlchen
Feldsperling
Haussperling

Mehr Tipps zum naturnahen Garten hält die NABU-Broschüre "Naturschutz ums Haus" parat.
Sie ist erhältlich beim NABU-Landesverband, Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart,
Telefon (0711) 96672-12, Telefax (0711) 96672-33