Brutplätze für Steinkäuze erhalten und neue schaffen

aus einer Broschüre des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV),
der heute Naturschutzbund Deutschland (NABU) heißt.


Dies ist der komplette Inhalt des Merkheftes das ca. 1980 herausgegeben wurde. Die Adressen auf die sich der Text bezieht sind veraltet und ich habe sie deshalb nicht übernommen. Wer mehr Informationen zum speziellen Thema oder zum NABU insgesamt haben möchte, kann diese direkt beim NABU nachfragen (siehe LINK-Seite)

I. Einleitung
Streuobstwiesen mit alten hochstämmigen Obstbäumen und Dauergrünlandgebiete mit alten Kopfbaumreihen sind die bevorzugten Lebensräume des Steinkauzes in Mitteleuropa. In diesen Gebieten findet der Steinkauz momentan noch geeignete Brutplätze - alte Baumhöhlen und Jagdgebiete wie Wiesen und Weiden. Durch die gegen Ende der 60er Jahre verstärkt einsetzenden Flurbereinigungsverfahren kam es zu umfangreichen Rodungen von hochstämmigen Obstbäumen und alten Kopfbaumreihen. Auch in nicht flurbereinigten Gebieten kam es zu großflächigen Umwandlungen von Dauergrün in Acker- oder Bauland, ferner wurden "maschinengerechte" Grünlandflächen geschaffen. In den meisten Fällen führten diese Maßnahmen ebenfalls zur Rodung der potentiellen Steinkauz-Brutbäume. Weiterhin wurden die alten Kopfbäume nicht mehr regelmäßig "geschneitelt". Der ausgehöhlte Baumstamm kann die aus dem Kopf ausschlagenden Äste nach einigen Jahren nicht mehr tragen, was dann zum Auseinanderbrechen des Baumes führt. Durch die Vernichtung potentieller Brutbäume sowie die Umwandlung von Dauergrün in Ackerland wurden dem Steinkauz geeignete Brut- und Jagdmöglichkeiten genommen, so dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem drastischen Bestandsrückgang kam. Der Steinkauz musste deshalb in die "Rote Liste" der in der Bundesrepublik Deutschland gefährdeten Vogelarten aufgenommen werden. Um den z.T. drastischen Bestandsrückgang aufzuhalten, sind u.a. die folgenden Schutzmaßnahmen, geordnet nach ihrer Dringlichkeit - erforderlich:

** Erfassung des Steinkauzbestandes sowie der noch bestehenden Brutplätze
** Sicherstellung und Pflege der noch bestehenden Brutplätze
** Schaffung künstlicher Brutmöglichkeiten
** gegebenenfalls Abwehr von Mardern (lokal)
** Hilfe in strengen Wintern (lokal)

    Begleitend zu den hier aufgeführten praktischen Arbeiten sollte in allen Fällen eine intensive Öffentlichkeitsarbeit (Diavorträge, Presseberichte, Einzelgespräche) erfolgen.

II. Steinkauz- Bestandserfassung
Allen Schutzmaßnahmen sollte in jedem Fall eine gründliche Erfassung des im Beobachtungsgebiet noch vorkommenden Steinkauzbestandes vorhergehen. Hierzu wurde von der "AG zum Schutz bedrohter Eulen" ein spezielles Merkblatt ("Empfehlungen zur Methodik von Siedlungsdichte - Untersuchungen am Steinkauz" - Merkblatt I) herausgegeben, weshalb auf die Methoden der Bestandserfassung hier nicht weiter eingegangen werden soll. Das Merkblatt kann beim Schriftenversand der AG angefordert werden (s. Vlll).  

III. Kartierung und Pflege der noch bestehenden Brutmöglichkeiten
Die praktischen Schutzmaßnahmen beginnen in der Regel mit der Kartierung aller potentiellen Brutplätze. Potentielle Steinkauz-Brutplätze sind alle zur Höhlenbildung neigenden Bäume, insbesondere alte hochstämmige Obst- und Nussbäume sowie Kopfbäume. Ein Teil der Bäume kann zumindest kurzfristig schon dadurch gesichert werden, dass die Besitzer auf die Bedeutung der Bäume hingewiesen werden. Langfristig ist eine Unterschutzstellung der Bestände anzustreben. Die entsprechenden Anträge (z.B. zur Ausweisung geschützter Grünflächen) sind bei den unteren Naturschutz- oder Landschaftsbehörden einzureichen. Dringend pflegebedürftige Kopfbäume, Bäume mit starken und kopflastigen Ästen (Durchmesser der Äste größer 10 cm), sollten direkt gesondert kartiert werden, um für diese Bäume umgehend Pflegemaßnahmen einleiten zu können. Einzelheiten zur Kopfbaumpflege können Merkblatt II "Erhaltung, Pflege und Neuanlage von Kopfbäumen", das auch von der "AG zum Schutz bedrohter Eulen" bezogen werden kann (s. Vlll), entnommen werden.
Die Sicherung der vorhandenen Brutplätze und die Schaffung neuer natürlicher Brutstätten sind wichtiger als das Aufhängen von Röhren!

IV. Künstliche Bruthilfen
Durch die Entwicklung der Steinkauz-Brutröhre von SCHWARZENBERG (1970) ist es möglich geworden, dem Steinkauz geeignete Nisthilfen anzubieten. In den 70er Jahren bildeten sich zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, die dem Steinkauz seitdem durch gezielte Schutzmaßnahmen helfen. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass der katastrophale Bestandsrückgang gebietsweise zum Stillstand kam, lokal kam es durch das Anbringen künstlicher Nisthilfen sogar zu leichten Bestandsanhebungen. Auch wenn mit der Steinkauzröhre große Erfolge erzielt wurden, ist ein Anbieten dieser Röhre nicht in jedem Fall sinnvoll! Erst wenn im Untersuchungsgebiet nicht mehr genügend natürliche Brutplätze vorkommen oder diese stark gefährdet sind (z.B. überalterte Kopfbaumbestände), sollten künstliche Nisthilfen angebracht werden. Gleichzeitig sollte auf jeden Fall versucht werden, neue natürliche Brutstätten zu schaffen. Da ein annähernd lückenloser Bestand die besten Voraussetzungen für die Arterhaltung bietet, sollten Kunströhren besonders in Randbereichen von Dichtezentren angebracht werden, wenn dort Nistplätze fehlen und geeignete Jagdmöglichkeiten gegeben sind. Ferner sollte versucht werden, isolierte kleinere Populationen durch das Anbringen von Röhren zu vergrößern. Dies ist beim Steinkauz relativ gut möglich, da sich Jungtiere gerne in der Nähe des Geburtsortes ansiedeln, wenn dort geeignete Brut- und Jagdmöglichkeiten bestehen.
In welchem Abstand sollten die Röhren angebracht werden? Da dies u.a. stark von der lokalen Biotopstruktur abhängig ist, kann auf diese Frage keine allgemein gültige Antwort gegeben werden. Nach den bislang vorliegenden Siedlungsdichte - Untersuchungen kann eine Dichte von 1 - 2 Brutpaaren/km als optimal angesehen werden. In Dichtezentren wurde in mehreren Gebieten übereinstimmend eine Dichte von 4 - 6 Brutpaaren/km gefunden.

         Wie viele Höhlen benötigt ein Steinkauzpaar? Jedem Paar sollten mindestens zwei bis drei Höhlen zur Verfügung stehen. Neben der Bruthöhle benötigt der Steinkauz weitere HöhIen zur Vorratsspeicherung bzw. als Tageseinstand. Außerdem wird die Bruthöhle im 1. Vierteljahr nach dem Ausfliegen der Jungtiere offensichtlich nicht mehr gerne benutzt, die Tiere bevorzugen dann andere Höhlen als Tageseinstand. Sofern mindestens noch zwei Naturhöhlen vorhanden sind, reicht das Anbringen von einer Röhre/Paar aus. Sind keine natürlichen Höhlen mehr vorhanden, sollten jedem Paar etwa zwei Röhren angeboten werden. Erst wenn man geklärt hat, ob ein Anbringen künstlicher Nisthilfen im Untersuchungsgebiet sinnvoll ist und die regelmäßige Betreuung der Röhre gesichert ist, sollte man mit dem Bau der Röhre beginnen. Im folgenden wird zuerst eine Bauanleitung für den Grundtyp der Steinkauzröhre (n. SCHWARZENBERG 1970) gegeben, anschließend wird der Bau der mardersicheren Röhre nach FURRINGTON (Wir und die Vögel, April 1979) beschrieben.
 
 

IV.1. Bauanleitung für den Grundtyp (Abb. 1)

Man benötigt zwei gleich große Holzscheiben von (16 cm - 18 cm Durchmesser und mindestens 3 cm Dicke aus witterungsbeständigem Holz. Die vordere Scheibe bekommt im Zentrum oder exzentrisch ein Einflugloch von 6,5 cm Durchmesser und die hintere Scheibe eine Öffnung von 10 cm Durchmesser für die Reinigung und Beringung, nicht aber für die Kontrolle. Die hintere Öffnung wird mit einem (15 cm - 17 cm großen Deckel von mindestens 10 mm Dicke verschlossen, indem man ihn mit drei oder vier Messingschrauben 4x30 (DIN 95 oder 96) befestigt. Die Röhre sollte etwa 80 - 100 cm lang sein. Durch Annageln von Latten der gewünschten Länge und 25x12 mm Dicke an beiden Scheiben bildet man eine Trommel (Abb. 1). Dabei sollte man die Latten vorne in der oberen Hälfte als Überdachung mindestens 8 cm und hinten mindestens 3 cm überstehen lassen, damit kein Regenwasser eindringen kann. Diese Trommel wird dann mit gesandeter Teerpappe der Qualität 500 umwickelt und mit isoliertem, 2 mm dickem Draht an drei bis vier Stellen befestigt. Damit der Innenraum bei anfallender Innenfeuchtigkeit besser von unten belüftet bzw. entwässert wird, werden die unteren zwei Latten nicht mit Teerpappe verkleidet. Dort, wo Beschädigungen der Röhren durch Spechte auftreten, ist zu empfehlen, die obere Hälfte der Röhre noch mit einem Blech zu verkleiden, das mit einem Tarnanstrich (s.u.) versehen wird. Weitere Einzelheiten können Abb. 1 entnommen werden. Selbstverständlich ist es in Anlehnung an diese Bauanleitung auch möglich, vergleichbare viereckige Konstruktionen aus Brettern herzustellen. Besonders bei der Anbringung in oder an Feldscheunen, Viehhütten etc. erlauben viereckige Konstruktionen in vielen Fällen eine bessere Anpassung an das Gebäude.


IV.2 Schaffung mardersicherer Brutplätze

Nicht nur die Zerstörung der Landschaft, sondern auch hohe Verluste durch den Steinmarder beschleunigen regional den Rückgang des Steinkauz-Bestandes. Sobald der Marder einmal gelernt hat, dass in diesen Röhren leicht Beute zu machen ist, werden sie regelmäßig aufgesucht. Die Marder können so kleine Populationen drastisch reduzieren. Deshalb sollten alle durch den Marder gefährdeten Steinkauz-Brutplätze gegen Marderschäden gesichert werden.
Manche Arbeitsgemeinschaften versuchten, den Marder durch Manschettieren freistehender Obstbäume abzuwehren. Dabei wurde festgestellt, dass die Obstbäume nur in sehr wenigen Fällen eine ausreichende Stammhöhe haben. Die Manschetten haben außerdem auch folgende Nachteile: a) Heruntergefallene oder -gesprungene, noch flugunfähige Jungvögel können den Baumstamm nicht mehr heraufklettern, um wieder in die schützende Röhre bzw. Höhle zu gelangen, sie sind am Boden dem Wetter und den Feinden ausgeliefert. b) Die Manschetten sind sehr auffällig und machen unnötig auf die Nisthilfe aufmerksam.

 

IV.2.1. Bauanleitung für die Röhre mit Marderschutz

Verluste durch den Steinmarder machten es notwendig, nachdem auch die Manschettierung der Brutbäume oft keine befriedigende Lösung brachte, eine Steinkauzröhre zu entwickeln, die den Steinmarder wirkungsvoll abwehrt. Der DBV Heilbronn hat eine Röhre entwickelt, die dieser Forderung gerecht wird. Die Konstruktionszeichnung (Abb. 2) enthält alle wichtigen Maße, die zur Fertigung dieser Marderabwehrröhre notwendig sind. Folgende Hinweise sollten beim Bau beachtet werden: Die beiden vorderen Scheiben müssen aus Hartholz (möglichst Eiche) oder mit einer Blechverkleidung gefertigt werden, damit der Marder die Einfluglöcher nicht erweitern kann. Um eine bessere Belüftung der Röhre zu gewährleisten, ist es sehr wichtig, dass die Zwischenscheibe zahlreiche, aber nicht zu große (ca. 15 - 20 mm) Löcher erhält. Die in der oberen Hälfte des Vorraums in Längsrichtung angebrachte Trennwand sollte durch vier Schrauben oder 5 mm tiefe Nuten gehalten werden. Damit der exzentrisch angeordnete Lochabstand der Einfluglöcher groß genug ist, muss der Innendurchmesser der Röhre mindestens 18 cm betragen. In der übrigen Ausführung ist diese Röhre mit der oben beschriebenen Konstruktion identisch.
 

 

 

 

 

 

IV.2.2. Manschettieren von Bäumen (Abb.3, weiter oben)

Wer Naturhöhlen, die sich in ausreichender Höhe befinden, durch Blechmanschetten absichern möchte, auch sonst die Manschettierung einer Marderabwehrröhre vorzieht, der sollte folgendes beachten: Schon beim Anbringen einer Brutröhre sollte darauf geachtet werden, dass dieser Platz auch mardersicher gestaltet werden kann. Es ist nicht immer leicht, einen geeigneten Baum zu finden. Der Stamm sollte mindestens 2,5m hoch sein, um den notwendigen Platz für eine Blechmanschette zu haben, denn diese sollte nicht unter 2 m Höhe angebracht werden, da der Marder sonst über die Manschette springen kann. Außerdem muss der Baum einen Abstand von mindestens 3 - 4 m zu Nachbarbäumen haben, um auch ein Überspringen des Marders zu verhindern. Damit die Blechmanschette beim Wachsen des Stammes nicht ein- schneidet, sondern sich ausdehnen kann, verwendet man am besten den von SCHWAMMBERGER entwickelten Manschettentyp.
Beschreibung der Manschette: Eine 2x1 m große und 0,2 - 0,3 mm dicke, verzinkte Blechtafel wird der Länge nach geteilt. So erhält man 2 Manschetten von 2 m Länge und 50 cm Höhe. An beiden Enden werden Laschen angenietet, die nach dem Umwickeln des Stammes umgebogen und fest angedrückt werden. Diese vier Laschen sind eben- falls aus verzinktem Blech, aber 1 mm dick und ca. 4 cm breit. Diese werden mit je drei Blindnieten befestigt. Dazu werden vorher in beide Teile mit Hilfe einer Lochzange die dafür notwendigen Löcher gestanzt. Die Manschette wird am Anfang mit nur einem einzigen Nagel am Baumstamm befestigt. Anschließend wird die Manschette mit einem Tarnanstrich versehen. Dazu kann man einen olivgrünen Seidenmattspray (z.B. Nr. 065 der Firma Marabu) verwenden. Ein Grundanstrich mit Zinkchromat Primer ist sehr zu empfehlen.

IV.3. Anbringung der Röhre
Von großer Bedeutung sind die sorgfältige Auswahl des Röhrenstandortes sowie das richtige Anbringen der Röhre. Vor dem Aufhängen der Röhre ist nach Möglichkeit das Einverständnis des Baumeigentümers einzuholen. Die Röhre kann an praktisch allen Baumarten angebracht werden. Lediglich in Kirschbäumen sollten wegen der Störungen während der Ernte - die Erntezeit fällt hier mit der Nestlingszeit zusammen - keine Röhren aufgehängt werden. Zur Anbringung am Ast wird die Röhre am besten an beiden Enden mit verzinktem Lochband oder isoliertem Draht versehen. In Kopfbäumen können die Röhren häufig in den Kopf gelegt werden, auch hier ist eine gute Befestigung unerlässlich. Der beste Zeitpunkt für das Aufhängen der Röhren ist der Spätsommer (Sept.- Okt.), da dann die Jungvögel schon rechtzeitig ein Revier beziehen können. Die Röhren können aber auch das ganze Jahr über angebracht werden. Bei der Auswahl des Baumes und der Anbringung sind weiterhin folgende Punkte zu beachten:

** Die Krone des Baumes sollte nicht zu dicht sein, es sollten gute Anflugmöglichkeiten zum Flugloch und zu einigen stärkeren Ästen des Baumes vorhanden sein.
** Um eine Kontrolle durch Unbefugte wenigstens zu erschweren, sollten die Röhren unauffällig (z.B. nicht direkt an Wegen) und nicht unter 3 m Höhe und mit der Einflugöffnung in Stammrichtung angebracht werden. Dadurch kann die Röhre in den meisten Fällen nur mit Hilfe einer Leiter geöffnet werden. Außerdem ist es dringend erforderlich, dass der Deckel mit Schrauben fest verschlossen wird, damit er nur mit einem Werkzeug abgenommen werden kann. Wenigstens allzu flüchtige und neugierige Einblicke können so verhindert werden, die unter Umständen zum Verlassen des Nestes führen würden. Besonders Steinkäuze, die eine Röhre erst frisch bezogen haben, können empfindlich reagieren.
** Der Einflug sollte nicht zur Wetterseite ausgerichtet werden, da sonst leicht Regen eindringen kann.
** Die Röhre sollte im Schattenbereich der Bäume liegen, damit sich im Innenraum keine allzu große Hitze entwickelt.
** Die Röhre sollte nach Möglichkeit auf einem Ast angebracht werden. Dadurch besteht für die Jungen die Möglichkeit, die Röhre ohne Schwierigkeiten verlassen und wieder aufsuchen zu können. Die Gefahr des Abstürzens ist geringer.
** Nach Möglichkeit sollte die Röhre ein leichtes Gefälle nach hinten haben, damit die Jungen bei zunehmender Feuchtigkeit zum Eingang hin ausweichen können (s. IV.4).
** Zuletzt wird dann noch eine Lage Einstreu aus kurzen Hobelspänen eingebracht, da eine Nestunterlage unentbehrlich ist. Trotz entsprechender Tarnung bleibt die Röhre doch ein auffälliger Fremdkörper. Störungen und Verluste insbesondere durch Menschen werden sich daher kaum vermeiden lassen. Einen gewissen Schutz bieten Hinweisschilder, die über die Funktion dieser ungewohnten Gebilde Auskunft geben. Dafür kann man Schilder aus weißem Kunststoff anfertigen lassen, die z.B. folgenden (grünen, schwarzen) Aufdruck tragen:

           Vogelnisthöhle!
               Bitte nicht entfernen und nicht stören.
    
Wenn erforderlich, bitte Nachricht an:

In der linken, oberen Ecke sollte sich z.B. das NABU- Storchen-Emblem befinden. So erhalten die Schilder ein "offizielleres" Aussehen. In besetzten Steinkauzrevieren muss auch verstärkt darauf geachtet werden, dass alle offenen Wasserbehälter (Wassertonnen, Eimer, Auffangbecken) abgedeckt sind, da besonders Jungvögel häufig darin ertrinken.

IV.4. Betreuung von künstlichen Nisthilfen und Naturhöhlen
Auch der Betreuer sollte so wenig wie möglich stören und daher nur dringend notwendige Kontrollen durchführen. Betreuung zur Brutzeit: Zur Erfassung des Brutergebnisses ist eine Kontrolle in der Zeit von Anfang bis Mitte Juni völlig ausreichend. Weil dabei der Altvogel den Brutplatz nicht verlassen sollte, wird die Kontrolle mit einer Taschenlampe vom Röhren- bzw. Höhleneingang aus vorgenommen. Dabei wird die Taschenlampe durch das Einflug- loch auf den Innenraum gerichtet, man erhält so einen ausreichenden Eindruck von dem Zustand der Nestmulde und hat gleichzeitig eine Erfolgskontrolle. Die Kontrollen sollten grundsätzlich so kurz wie eben möglich sein. Sofern noch keine Jungtiere geschlüpft sind, oder aber die Jungen sehr klein sind, ist auf eine weitere Kontrolle zu verzichten. Wenn mehr als drei Jungtiere in der Röhre sind und diese mindestens vierzehn Tage alt sind, kann es unter Umständen zur Bildung eines Kloakenmilieus kommen, so dass ein Austausch des Einstreumaterials notwendig werden kann. Anfallen- der Kot kann den Einstreu so stark durchnässen, dass sich der Röhrenraum in ein Schlammbad verwandelt. Dieser Zustand tritt schon bei drei Jungen ein und wird um so schlimmer, je mehr Junge sich in der Röhre befinden. Die Jungen stecken dabei bis zum Bauch im Schlamm, wobei das Gefieder durchnässt und verklebt. Dadurch können Jungvögel zugrunde gehen oder sie verlassen viel zu früh den schützenden Brutraum. Um die Verluste an Jungvögeln so gering wie möglich zu halten, sollte man den feuchten Einstreu in diesen Fällen während der Aufzucht mindestens zweimal austauschen. Der erste Austausch wird im Alter der Jungen von zwei bis max. drei Wochen durchgeführt. Der nächste Austausch erfolgt schon eine Woche später. Beringer sollten bei der Beringung der Jungen in jedem Fall den Einstreu austauschen (Die Beringung ist nur Beringern mit einer entsprechenden Sondergenehmigung gestattet!). Gerade das Kloakenmilieu macht deutlich, dass die künstlichen Nisthilfen nicht optimal sind und natürliche Brutplätze langfristig nur schlecht ersetzen können, so dass der Erhaltung und Neuanlage von natürlichen Brutmöglichkeiten größere Bedeutung zukommt als dem Aufhängen von Röhren.
Betreuung außerhalb der Brutzeit: Da die Bruthöhlen im ersten Vierteljahr nach dem Ausfliegen der Jungtiere auch von den Alttieren kaum genutzt werden, sofern Ausweichhöhlen zur Verfügung stehen, sind die Monate September und Oktober für die Reinigung der Röhren am günstigsten. Die Gefahr von Störungen ist in diesen Monaten am geringsten. Bevor die Röhre geöffnet wird, sollte man sich durch das Einflugloch vergewissern, dass kein Steinkauz in der Röhre sitzt. Anschließend wird das gesamte Einstreumaterial ausgetauscht. Ebenso werden schadhafte und altersschwache Röhren ausgewechselt bzw. repariert. Wenn Niströhren innen feucht sind, dann dringt Regenwasser ein. Oft ist hier die Ursache, dass das Regenwasser durch das Einflugloch, mehr aber vom Röhrenende her eindringt. Diese Röhre muss dann in eine andere Richtung umgehängt werden. Natürlich können auch Beschädigungen in der Teerpappe - durch reibende Äste oder durch Spechte - Ursache für das Eindringen von Regenwasser sein. Röhren, die vom Steinkauz in dem entsprechenden Jahr nicht angenommen wurden, müssen ebenfalls alljährlich überwacht und ggf. gereinigt werden. Besonders die Nester vom Feldsperling und Star, aber auch von Wespen, Bienen etc., können die Brutröhre innerhalb einer Brutperiode für den Steinkauz unbewohnbar machen.